Brexit – mögliche Auswirkungen auf den Immobilienbereich

Maria Lengemann

30. Juni 2016

Die Nachricht über den Austritt der Briten aus der Europäischen Union ist noch ganz frisch, dennoch gibt es bereits einige Mutmaßungen und Schätzungen, die sich auch auf die Immobilienentwicklung beziehen. Bisher gibt es zwar noch keine verlässlichen Aussagen, ein kleiner Ausblick auf die Optionen ist jedoch möglich. Im Fokus steht vor allem die Frage, wie sich die Situation bei den Banken entwickelt. So wird davon ausgegangen, dass diese möglicherweise in Betracht ziehen könnten, zumindest einen Teil von ihrem Geschäft aus London in die Bankenmetropole Frankfurt zu verlegen. Das würde auch heißen, dass Räumlichkeiten angemietet oder sogar gekauft werden. Bisher gibt es jedoch noch keine bekannten Anfragen, die sich auf diese Thematik beziehen.

Probleme mit dem Immobilienverkauf in London

Schon bevor die Entscheidung für den Brexit getroffen wurde, haben die Makler in London die Auswirkungen zu spüren bekommen. So ist die Zahl der Immobilien, die verkauft oder vermietet wurden, deutlich gesunken. Die Investoren wollten erst einmal die Entscheidung abwarten, bevor sie Geld in Immobilien investieren. Für London als wichtiger Finanzplatz kann die Entscheidung Auswirkungen haben, denn gerade Banken aus dem außereuropäischen Ausland haben ihre Auslandssitze gerne nach London verlegt. Unter anderem auch deshalb, weil von London aus die Geschäfte auch in der EU anerkannt wurden. Das kann sich nun aber ändern. Die Entscheidung dafür ist abhängig von den kommenden Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien. Bis eine Entscheidung schließlich auf dem Papier feststeht, wird bei den Immobilien vermutlich mit Einbußen zu rechnen sein.

Was hat ein Standortwechsel der Banken für Nachteile?

Vorausgesetzt, viele Banken würden sich entscheiden, ihre Niederlassungen von London zu verlegen, dann hat dies nicht nur Auswirkungen auf die Bürobereiche in der britischen Hauptstadt. Nicht zu unterschätzen ist auch die Problematik für den Wohnungsmarkt. Bei den Banken arbeiten Angestellte, die gut verdienen und sich Wohnungen oder Häuser in London gemietet oder gekauft haben. Dies kann einen Wertverlust der Immobilien nach sich ziehen und zwar von bis zu 20%. Die ersten Zeichen für einen Einbruch sind bereits erkennbar, wie die Financial Times deutlich macht. Es gibt Hinweise darauf, dass Bauprojekte in Planung teilweise von den Investoren nun mit Vorsicht betrachtet werden. Damit gibt es eine Veränderung auf einem Immobilienmarkt, der immer als stabil und als eine sehr gute Investition gegolten hat. Wer nicht wusste, wo er investieren sollte, hat den Blick nach London gerichtet und konnte sich ziemlich sicher sein, dass der jährliche Wertzuwachs von rund 10% im Durchschnitt nicht auf sich warten lässt. Für die Londoner selbst wurden die Immobilien immer teurer, es fiel ihnen schwer, sich noch eine Wohnung leisten zu können. Die hier entstandene Preisblase könnte in Zukunft eventuell Ausmaße in eine andere Richtung annehmen. Gerade für den deutschen Immobilienmarkt, in Bezug auf die Büroflächen, kann diese Veränderung möglicherweise positive Aspekte mit sich bringen. Wie sich die Immobilienfrage jedoch weiter entwickelt und ob in London tatsächlich mit solch hohen Verlusten zu rechnen ist, wird sich erst noch zeigen. Noch steht nichts fest, alles ist offen – auch die Auswirkungen des Brexit auf die Immobilien in der britischen Hauptstadt.